Zweiter Nachtrag:
Wenn man sich mal das Original von Schwarzer März anguckt, dann sieht man auch das die Sache ganz anders gemeint war. Was aber in dem Facebook Event steht ist die reine Perversion davon. Wer mal die Wahrheit sehen möchte gucke hier. ACTA wird kein einziges mal genannt, weil man damit auch einfach nichts gegen ACTA tut. Man geht ganz allgemein gegen die Unterhaltungsindustrie vor und dem damit verbundenen Lobbyismus. Nix freies Internet. Es wird klar gesagt was boykottiert werden soll und das man sich nach Alternativen wie freier Musik etc umgucken und Independent Labels unterstützen soll. Der Bunte März entspricht dem originalen schwarzen März mehr als die Perversion da unten.
Das bestätigt aber leider meine These dass in dem unten verlinkten Event alles aus blindem Aktionismus entstanden ist. Text kopiert, kein einziges mal gelesen, selber keine Ahnung, aber Hauptsache coole Anonymous Aktionen mitmachen. Aus unterstütze die Kleinen wird dann ganz schnell unterstütze Niemanden. Deswegen bleibe ich immer noch dabei: Erst denken, dann handeln. Und das verlinkte Event NICHT unterstützen mit der allgemein verfassten Forderung. Was bleibt mir noch zu sagen? Kopf -> Tisch.
Um eine Änderung der Eventbeschreibung wird gebeten o_0

Seit kurzem kursiert eine neue “Aktion” im Internet, der soggenannte ”Schwarze März”. Worum geht es?
Hierbei wird zu einem Boykott gegenüber der Unterhaltungsindustrie aufgerufen, “um diesen Dreckskerlen [...] zu zeigen das wir uns nicht zu Borg-Drohnen umfunktionieren lassen [...]“*. Vom 1. – 31. März soll man nun: “- Keine Musik downloaden (legal oder illegal), - Keine Zeitschrifften, Magazine oder Zeitungen kaufen!, - Keine Filme im Fernsehen ansehen oder ins Kino gehen ( natürlich könnt ihr Filme ansehen die ihr schon aufm Rechner oder auf DVD habt)”*. Klingt doch erstmal toll, zeigen wir “diesen Säcken”* “das wir keine Medien akzeptieren, die UNS vorschreiben was wir zu sehen bekommen!”*. Aber warum eigentlich das ganze? Weil der Bundesrat im März über ACTA diskutieren wird. Und den möchte man umstimmen und dabei gleich noch der Unterhaltungsindustrie einen mitgeben und wie ich so oft lesen musste, ein “Zeichen” setzen. Klingt doch immer noch super, oder etwa nicht?
Wenn man mal etwas darüber nachdenkt und sich nicht von den Propaganda Parolen wie “KÄMPFT um die Freiheit des Internets!”* und “wenn euch das keine Angst machen soll, dann weiss ich auch nicht mehr… Weltpolizei hier kommen wir!”* einlullen lässt, ist das ganze eine ziemlich dumme Idee.
Wem schaden wir denn damit wirklich? Der Musikindustrie? Dem Bundesrat? Nein. Wir schaden z.B. meinem Freund Mark aus dem Plattenladen um die Ecke. Ich freue mich jeden Monat wenn sein kleiner, aber sympathischer Laden noch geöffnet hat. Dort setze ich mich mit ihm zusammen und rede über Musik. Oder Filme. Dort kaufe ich meine Musik. Und jetzt soll er einen Monat lang keine Kundschaft haben? Das bedeutet für Mark den Ruin, oder aber jede Menge Schulden. Aber damit haben wir es der Unterhaltungsindustrie ja ordentlich gezeigt.
Was ist mit den Künstlern? Ich lese so oft das aus den CD-Verkäufen ja sowieso wenig bei den Künstlern ankommt und die ihr Geld durch Konzerte machen. Für Lady Gaga und Konsorten mag das stimmen. Aber was ist mit dem noch relativ unbekannten Musiker? Der sich wie so viele gerade mal über Wasser halten kann? Der im Vergleich eine sehr geringe Gage für seine Konzerte bekommt? Der braucht das Geld aus CD Verkäufen dringend.
Aber, sagt ihr jetzt, dann kaufen wir eben weiter bei den kleinen Labels und lassen nur die großen und bösen Labels im Regal stehen. Das hilft Mark aber nicht weiter. Der generiert Umsatz durch den Verkauf der “bösen” Labels. Ich würde sogar schätzen den größten Teil. Schade Mark, hat Spaß mit dir gemacht.Auch wenn er nur 60 Cent pro CD verdient, bei Eintausend Verkäufen pro Monat reichen die fehlenden 600 Euro um die Miete nicht mehr bezahlen zu können. Oder es fehlt an Spritgeld um zum nächsten Konzert zu kommen.
Es wird immer wieder auf ein Video verwiesen das die Piratenlüge aufdeckt. Damit wird im Moment oft der “Schwarze März” verteidigt. Weil die “Content-Mafia” ein böses Spiel spielt und viel zu viel für illegale Downloads verlangt. Das ist durchaus richtig und gerade dem Rechenbeispiel aus dem Video stimme ich zu, aber was zum Henker ändert der “Schwarze März” daran? Man möchte der “Content-Mafia” wehtun und versucht dies mit einem Boykott zu erreichen. Das ist nicht nur der falsche sondern auch ein sinnloser Weg und verursacht Schaden an Stellen die wir gar nicht beschädigen wollen. Die CDs/DVDs/etc werden aller Wahrscheinlichkeit nach im April nachgekauft. Die “Content-Mafia” freut sich, Mark nicht. Und tangiert das den Bundesrat? Wird die “Content-Mafia” den Bundesrat stürmen, aus Angst ein paar Millionen, oder Milliarden weniger Umsatz zu haben? Nein. Wenn wir der “Content-Mafia” schaden wollen dann müssen wir etwas gegen ACTA machen. Wirklich was MACHEN. und nicht einfach einen Monat lang nichts tun. DAS tut der Unterhaltungsindustrie weh.
Aber warum wollen wir eigentlich allen wehtun? Die Unterhaltungsindustrie nutzt Gesetze für sich die bereits vorhanden sind. Es ist alles legal was die machen. Was können wir also wirklich tun? Eine Anpassung des Urheberrechts zum Beispiel. Oder sich für Gesetzesänderungen einsetzen, die privates Kopieren entkriminalisieren. Oder aber am Samstag auf die Straße gehen und der Regierung auf diesem Wege zeigen das wir kein ACTA wollen. Sich politisch engagieren. Den Bundesräten schreiben. Eben was MACHEN. Und nicht sich einen Monat zurücklehnen, Mark pleite gehen lassen und der Regierung es noch einfacher machen ACTA zu unterzeichnen.
Ein Boykott auszurufen um ein Zeichen zu setzen und damit über Leichen gehen? Nicht mit mir, der Zweck heiligt eben nicht die Mittel.
Aber es ist natürlich bequem, nichts tun und dabei noch politisch “aktiv” zu sein. So wie die Bauchtrainer , zurücklehnen und schön werden. Dabei verursacht man aber immerhin keinen Schaden.
Und mal von dem ganzen Download Krams abgesehen, ACTA ist wesentlich mehr als nur ein “Ding” das euch am Downloaden hindern soll. Es darauf zu reduzieren halte ich ebenfalls für sehr gefährlich. Aber das nur am Rande
* Alle Zitate vom Facebook Event.Man kann auch einen “Bunten März” machen, schöne Idee und auf jeden fall nicht destruktiv. (Facebook Seite)
Nachtrag: Nach dem einige fragen was sie denn sonst tun sollen, hier mal einige Denkanstöße:
Am Samstag in eurer Stadt oder in einer in der Nähe Demonstrieren gehen. Wo diese Demos stattfindet seht ihr hier.
Die Online Petition unterzeichnen.
Politikern schreiben: Bundespräsident, Bundeskanzlerin, Bundesrat, abgeordnetenwatch.de
Lokale Presse informieren, im Allgemeinen aufklären (Artikel von Udo Vetter, Spiegel , Tagesschau, etc.)